Wenn ein Mensch im Wald vermisst wird oder nach einem Einsturz unter Trümmern liegt, sind Rettungshunde oft schneller als jede Suchkette. Hinter jedem dieser Hunde steht ein Mensch, der in seiner Freizeit trainiert, Prüfungen ablegt und nachts zum Einsatz ausrückt. Hier liest du, was ein Rettungshund können muss, welche Voraussetzungen du und dein Hund mitbringen sollten und wie Ausbildung und Prüfung ablaufen. Die Angaben stammen aus den Prüfungsordnungen des Deutschen Roten Kreuzes und des BRH Bundesverband Rettungshunde.
- Ein Rettungshund arbeitet immer im Team mit seinem Hundeführer. Beide werden gemeinsam ausgebildet und geprüft.
- Gesucht wird vor allem in der Fläche, in Trümmern und per Mantrailing, bei einigen Organisationen auch im Wasser.
- Bis ein Team geprüft und einsatzbereit ist, vergehen laut DRK etwa zwei bis drei Jahre, trainiert wird meist zweimal pro Woche.
- Die Arbeit ist ehrenamtlich. Für Vermisste und ihre Angehörigen ist der Einsatz kostenlos.
- Die Prüfung muss regelmäßig wiederholt werden, beim DRK spätestens nach 24 Monaten.
Was ist ein Rettungshund?
Ein Rettungshund ist ein Hund, der darauf ausgebildet ist, vermisste oder verschüttete Menschen zu finden und seinem Hundeführer anzuzeigen. Die Norm DIN 13050 für das Rettungswesen spricht deshalb vom Rettungshundeteam: Hundeführer und Hund, deren Aufgabe es ist, vermisste oder verschüttete Menschen zu suchen und zu orten, mit einer Ausbildung, die für die Mitwirkung im Katastrophenschutz qualifiziert.
Rettungshunde gehören den Hundeführern selbst und leben bei ihnen in der Familie. Organisiert sind die Teams in Rettungshundestaffeln. Solche Staffeln gibt es bei allen anerkannten Hilfsorganisationen wie DRK, ASB, Johanniter und DLRG, bei einigen Feuerwehren und beim THW, außerdem in Vereinen, die sich in Dachverbänden wie dem BRH zusammengeschlossen haben.
Wie kommt ein Rettungshund zum Einsatz?
Wer einen Menschen vermisst, wendet sich an die Polizei unter 110 oder an die Feuerwehr unter 112. Rettungshundestaffeln werden nicht von Privatleuten bestellt, sondern über die Polizei, die Feuerwehr oder andere Hilfsorganisationen von den regionalen Leitstellen alarmiert. Die Einsatzkräfte arbeiten ehrenamtlich, für Alarmierende und Betroffene ist der Einsatz deshalb kostenlos. Allein die Staffeln des BRH wurden 2024 nach eigener Statistik 1.315-mal alarmiert und fanden mehr als 70 Personen.
Die Sparten: Fläche, Trümmer, Mantrailing, Wasser
Rettungshunde spezialisieren sich auf eine oder mehrere Sucharten. Für jede gibt es eine eigene Prüfung:
- Flächensuche: Der Hund sucht frei laufend ein unübersichtliches Gelände wie Wald oder Buschwerk ab und zeigt jeden Menschen an, den er dort findet. Je nach Ausbildung zeigt er an, indem er die Person anhaltend verbellt, bis sein Hundeführer da ist, oder indem er zum Hundeführer zurückläuft, ihm den Fund anzeigt und ihn auf direktem Weg zur Person führt. Das heißt Bringseln, wenn er dabei ein Bringsel ins Maul nimmt, sonst Freiverweisen. Einen Geruch der vermissten Person braucht der Flächenhund dafür nicht. Als Richtwert nennt das DRK in Rheinland-Pfalz eine Fläche von 0,05 Quadratkilometern, die ein Team in einer Stunde absucht.
- Trümmersuche: Der Hund sucht in eingestürzten Gebäuden nach eingeschlossenen oder verschütteten Menschen. Er muss sich sicher auf instabilem Untergrund bewegen, deshalb gehört hier eine Prüfung in Gewandtheit dazu.
- Mantrailing: Der Hund nimmt an einem Gegenstand den Individualgeruch einer bestimmten Person auf, etwa an Kleidung oder einer Haarbürste, und folgt deren Spur an einer langen Leine, auch über Straßen und durch Ortschaften. Mehr dazu im Ratgeber Mantrailing.
- Wassersuche: Einige Staffeln, etwa beim DRK und bei der DLRG, suchen vom Boot oder vom Ufer aus nach Menschen unter Wasser.
Die Suche nach Menschen unter Schneemassen gehört beim DRK nicht zur Trümmersuche, sondern zur Lawinensuche der Bergwacht.
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Welcher Hund eignet sich als Rettungshund?
Eine Rasseliste gibt es nicht. Die Prüfungsordnungen fragen nach Eigenschaften:
- Gesund und belastbar: Der Hund muss gesund und körperlich leistungsfähig sein. Für die Trümmersuche braucht er zusätzlich Trittsicherheit.
- Gute Nase und Arbeitsfreude: Er soll auch unter Belastung suchen, temperamentvoll, lernfreudig und gut zu motivieren sein.
- Sicheres Wesen: Verlässliches Verhalten gegenüber Menschen und anderen Hunden ist Pflicht. Ein Rettungshund trifft im Einsatz auf verängstigte oder verletzte Menschen und auf fremde Hunde anderer Staffeln.
Ideal ist es, mit einem Welpen zu beginnen. Die Johanniter in Baden-Württemberg nehmen aber auch ältere Hunde bis etwa vier Jahre auf. Ob ein Hund geeignet ist, entscheidet die Staffel nach einigen Probetrainings. Manche Organisationen schließen Rassen aus, die im jeweiligen Land als gefährlich gelten. Das DRK in Rheinland-Pfalz bildet zum Beispiel keine Hunde aus, die unter das dortige Landesgesetz über gefährliche Hunde fallen.
Welche Voraussetzungen brauchst du als Hundeführer?
- Alter: Zur Prüfung zugelassen wirst du beim DRK und beim BRH ab 16 Jahren. In echten Einsätzen setzt das DRK in Rheinland-Pfalz Hundeführer erst ab 18 Jahren ein.
- Mitgliedschaft: Geprüft wird nur, wer aktiv in einer Staffel mitarbeitet, beim DRK in einer Bereitschaft, beim BRH in einem Mitgliedsverein.
- Fachausbildung: Zur Ausbildung gehören Erste Hilfe am Menschen und am Hund, Kynologie, Karte und Orientierung, Sprechfunk, Einsatztaktik und Unfallverhütung, beim DRK zusätzlich eine Sanitätsausbildung und Grundkenntnisse der psychosozialen Notfallversorgung. Der BRH verlangt vor jeder Prüfung einen gültigen Erste-Hilfe-Kurs.
- Zeit und Fitness: Trainiert wird in vielen Staffeln zweimal pro Woche, dazu kommen Einsätze zu jeder Tages- und Nachtzeit und oft in unwegsamem Gelände.
- Absicherung: Beim BRH musst du als Halter eine Haftpflichtversicherung nachweisen, und dein Hund muss nach tierärztlicher Vorgabe gegen Tollwut, Staupe, Hepatitis, Parvovirose und Leptospirose geimpft sein.
Du hast keinen passenden Hund? Viele Staffeln suchen auch Helferinnen und Helfer ohne Hund. Sie begleiten die Teams im Einsatz, übernehmen Funk und Orientierung und spielen im Training die Versteckpersonen.
So läuft die Ausbildung ab
Am Anfang stehen Spiel und Motivation: Der Hund lernt, dass es sich lohnt, Menschen zu finden und anzuzeigen. Danach werden die Suchen schrittweise länger, das Gelände schwieriger und die Ablenkung größer. Parallel trainiert ihr Gehorsam, Gewandtheit und das ruhige Verhalten in fremder Umgebung, und du lernst Kartenarbeit, Funk und Erste Hilfe. Bis ein Team geprüft und einsatzbereit ist, dauert es laut DRK etwa zwei bis drei Jahre.
Ein solides Fundament aus der Hundeschule hilft dabei: Ein Hund, der Grundgehorsam und gutes Sozialverhalten mitbringt, startet leichter in die Sucharbeit. Beim DRK ersetzt eine bestandene Begleithundeprüfung nach FCI-Regeln sogar das Prüfungsmodul Grundgehorsam, der BRH erkennt die Begleithundeprüfung nach VDH- und FCI-Ordnung ebenfalls an.
Die Prüfung: Stufen beim DRK und beim BRH
Jede Organisation hat ihre eigene Prüfungsordnung, die Grundidee ist aber gleich: Zuerst werden Wesen, Gehorsam und Grundfertigkeiten geprüft, dann die eigentliche Suche unter einsatznahen Bedingungen. Beim DRK gilt seit dem 1. Januar 2024 eine neue Prüfungsordnung mit diesen Stufen:
| Modul | Was geprüft wird |
|---|---|
| Fachfragen | 25 Fragen aus allen Themen in 20 Minuten, bestanden ab 15 richtigen Antworten (60 Prozent) |
| Verhalten und Grundfertigkeiten | Verhalten gegenüber fremden Menschen, Hunden, Geräuschen und optischen Reizen, Geschicklichkeit, Such- und Anzeigeverhalten. Der Hund muss mindestens 16 Monate alt sein. Bei Nichtbestehen ist eine einmalige Wiederholung frühestens nach zwei Monaten möglich. |
| Grundgehorsam | für Fläche und Trümmer, ersetzbar durch eine FCI-Begleithundeprüfung |
| Gewandtheit | nur für die Trümmersuche |
| Suchprüfung | die einsatznahe Prüfung in der gewählten Sparte (siehe unten) |
Der BRH arbeitet mit einer Vorprüfung, die Gewandtheit und Nasenarbeit umfasst, und einer Hauptprüfung je Sparte. Zur Vorprüfung darf der Hund mit 15 Monaten antreten, zur Hauptprüfung mit 18 Monaten. Fürs Mantrailing gibt es vorab einen Basistest.
Was in der Suchprüfung verlangt wird
| Sparte | DRK (Prüfungsordnung 2024) | BRH (Prüfungsordnung 2025) |
|---|---|---|
| Fläche | rund 45.000 m², höchstens zwei Versteckpersonen, 30 Minuten | 20.000 bis 25.000 m², eine bis drei Versteckpersonen, höchstens 25 Minuten |
| Trümmer | 800 bis 2.000 m², höchstens drei Verstecke, höchstens 20 Minuten | 600 bis 800 m², eine bis drei Versteckpersonen, höchstens 25 Minuten |
| Mantrailing | Spur 12 bis 30 Stunden alt, 1,5 bis 1,8 km, mindestens zur Hälfte in Ortschaften, höchstens eine Stunde Suchzeit | Spur 8 bis 24 Stunden alt, 1.000 bis 1.200 m, 60 Minuten Suchzeit |
Wie viele Personen versteckt sind, erfährt der Hundeführer vorher nicht. Alle Personen zu finden, reicht allein nicht zum Bestehen: Beim BRH werden auch Suchtaktik, Flächenabdeckung und die Zusammenarbeit von Hundeführer und Hund bewertet, beim Hund außerdem Motivation, Lenkbarkeit, Kondition und Anzeige. Eine übersehene Person oder eine Fehlanzeige bedeutet: nicht bestanden.
Wie lange gilt die Prüfung?
Einsatzfähig bleibt ein Team nur, wenn es die Prüfung regelmäßig wiederholt. Beim DRK muss die Rettungshundeteam-Prüfung innerhalb von 24 Monaten wiederholt werden, nach einer nicht bestandenen Prüfung erlischt die Einsatzfähigkeit in dieser Sparte sofort. Der BRH verlangt nach eigener Angabe mindestens einmal im Jahr eine erfolgreiche Wiederholungsprüfung.
Was kostet die Ausbildung zum Rettungshund?
Ausgebildet wird ehrenamtlich in der Staffel, eine Kursgebühr wie in der Hundeschule ist deshalb nicht der Normalfall. Für Prüfungen kann eine Kostenpauschale anfallen, beim DRK in Rheinland-Pfalz etwa für die Teilnahme an Modulen und Rettungshundeteam-Prüfungen. Der Hund bleibt dein Eigentum, das du der Staffel für die Einsätze zur Verfügung stellst. Ob und wie Kosten erstattet und Risiken abgesichert werden, regelt die jeweilige Organisation vor Ort, frag danach beim Probetraining. Beim BRH brauchst du als Halter eine eigene Haftpflichtversicherung.
So findest du eine Rettungshundestaffel
Staffeln gibt es in fast jeder Region. Am einfachsten fragst du beim Kreisverband von DRK, ASB oder Johannitern, bei der Ortsgruppe der DLRG oder bei einem Mitgliedsverein des BRH nach. Viele Staffeln bieten ein unverbindliches Probetraining an, bei dem du die Arbeit kennenlernst und die Ausbilder deinen Hund einschätzen. Du willst lieber ohne Einsatzverpflichtung mit der Nase deines Hundes arbeiten? Dann sind Mantrailing oder andere Hundesportarten in einer Hundeschule eine gute Alternative.
Häufige Fragen zum Rettungshund
Kann jeder Hund Rettungshund werden?
Nein. Der Hund muss gesund, belastbar, sozialverträglich und gut zu motivieren sein und eine gute Nase haben. Eine bestimmte Rasse ist nicht vorgeschrieben, ob er geeignet ist, entscheidet die Staffel nach Probetrainings.
Wie alt muss ein Hund für die Rettungshundeprüfung sein?
Beim DRK mindestens 16 Monate für das Modul Verhalten und Grundfertigkeiten, beim BRH 15 Monate für die Vorprüfung und 18 Monate für die Hauptprüfung.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Rettungshund?
Laut DRK etwa zwei bis drei Jahre, bis ein Team geprüft und einsatzbereit ist. Trainiert wird meist zweimal pro Woche.
Was kostet ein Rettungshundeeinsatz?
Für die Betroffenen nichts. Die Teams arbeiten ehrenamtlich und werden über Polizei, Feuerwehr oder Leitstelle alarmiert.
Was ist der Unterschied zwischen Flächensuche und Mantrailing?
Ein Flächenhund sucht frei laufend ein Gebiet ab und zeigt jeden Menschen an, den er findet. Ein Mantrailer folgt an der Leine der Spur einer bestimmten Person, deren Geruch er vorher an einem Gegenstand aufgenommen hat.
Kann ich auch ohne eigenen Hund in einer Rettungshundestaffel mitmachen?
Ja. Staffeln brauchen Helferinnen und Helfer, die im Einsatz Funk und Orientierung übernehmen und im Training als Versteckpersonen mitwirken.
Wie oft muss die Rettungshundeprüfung wiederholt werden?
Beim DRK spätestens nach 24 Monaten, beim BRH nach eigener Angabe mindestens einmal im Jahr.
Stand: Oktober 2026. Quellen: Prüfungsordnung für Rettungshundeteams im Deutschen Roten Kreuz, in Kraft seit 1. Januar 2024; BRH-Prüfungsordnung, Version 2025-03; Rahmenrichtlinie Rettungshundearbeit des DRK-Landesverbands Rheinland-Pfalz, Stand 9. November 2024; Angaben von DRK-Bundesverband, Johannitern Baden-Württemberg und BRH (Alarmierung, Statistik 2024) auf ihren Websites; DLRG-Merkblatt Rettungshunde. Die Regeln anderer Organisationen können abweichen, verbindlich ist die Prüfungsordnung deiner Staffel.
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