- Hunde springen meist an, um Kontakt aufzunehmen. Wer darauf reagiert, belohnt das Anspringen oft ungewollt.
- Am besten wirkt eine Kombination: Anspringen nicht belohnen, ein anderes Verhalten wie „Sitz“ zur Begrüßung üben und belohnen, und in schwierigen Momenten vorbeugen, etwa mit Leine oder Türgitter bei Besuch.
- Methoden, die mit Druck oder Unbehagen arbeiten, raten wir nicht mehr: Sie belasten den Hund nachweislich.
- Springt dein Hund aus Angst oder Abwehr an, hol dir Hilfe in einer Hundeschule.
Warum springen Hunde Menschen an?
Oft wird das Anspringen von Hunden als freudige Begrüßungsgeste interpretiert, was aber nicht immer der Fall ist. Eine genaue Beobachtung des Hundeverhaltens hilft dabei zu erkennen, welche Motivation und Emotion hinter dem Anspringen des Hundes stecken. Das können beispielsweise sein:- Respektlosigkeit
- Frust
- Abwehrverhalten
- Stress
- Distanzlosigkeit
- Eifersucht
- Spiel
- Freude
Wie gewöhne ich meinem Hund das Anspringen ab?
Im Welpenalter lässt sich das Anspringen noch gut und einfach unterbinden. Welpen drücken mit dem Anspringen ihre Freude und auch ihre Ungeduld aus. Die Nichtbeachtung reicht bei diesem Verhalten meist schon aus, um das Hochspringen zu unterbinden. Das An- und Hochspringen eines ausgewachsenen Hundes abzutrainieren ist ein langwieriger Prozess. Über die Jahre haben Halter und Vierbeiner bestimmte Verhaltensmuster eingeübt, die jetzt wieder abgebaut werden müssen. Mit folgenden Signalen kannst du das Anspringen deines Hundes unterbinden und abgewöhnen:- Kommando „Sitz“ oder Zurückrufen: Stürmt dein Vierbeiner auf dich oder deinen Besuch los, so kannst du ihn mit dem Kommando „Sitz“ oder einem Rückruf aus seiner Bewegung stoppen und das Anspringen verhindern.
- Kommandos „Nein“ oder „Aus“: Erwachsene Hunde sollten diese beiden Kommandos bereits kennen und sie mit Verboten in Verbindung bringen. So können sie auch beim Anspringen eingesetzt werden. Um dem Ganzen Nachdruck zu verleihen, kannst du die Pfoten deines Hunden nehmen und sie zum Boden führen, während du das Kommando „Nein“ oder „Aus“ sprichst. Vergiss sie Belohnung nicht, sobald sich dein Hund beruhigt oder sogar hinsetzt.
- Gib dem Hund keinen Raum: Springt dich dein Hund an, so versuche auf keinen Fall zurückzuweichen, auch nicht mit dem Oberkörper. Wenn du dabei noch seine Pfoten nimmst und ihn ein paar Schritte rückwärts gehen lässt, empfindet er das als so unangenehm, dass er das Anspringen schon nach wenigen Versuchen unterlassen wird.
Den Abschnitt oben haben wir 2022 geschrieben. Zwei Ratschläge darin sehen wir heute anders: Die Pfoten festzuhalten oder den Hund rückwärts zu drängen, „weil er das als unangenehm empfindet“, arbeitet mit Unbehagen. Eine Studie mit 92 Hunden aus sieben Hundeschulen zeigte, dass Hunde, die mit solchen Methoden trainiert werden, mehr Stressverhalten zeigen, nach dem Training höhere Werte des Stresshormons Cortisol haben und neuen Situationen pessimistischer begegnen als Hunde, die über Belohnung lernen (Vieira de Castro u. a., PLOS ONE 2020). Auch Begriffe wie „Respektlosigkeit“ oder „Unterordnung“ beschreiben das Anspringen wenig hilfreich: Meist will der Hund einfach Kontakt.
Was wir stattdessen empfehlen, steht im nächsten Abschnitt. Das Unterbrechen mit „Sitz“ oder einem Rückruf aus der Liste oben passt weiterhin gut dazu.
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Zum KursWarum reicht es nicht aus, das Anspringen eines erwachsenen Hundes zu ignorieren?
In vielen Situation erweist sich das Ignorieren des unerwünschten Verhaltens und eine Belohnung bei einem positiven Verhalten als sinnvoll. Beim Anspringen sollte allerdings eine andere Herangehensweise bevorzugt werden. Das Anspringen eines Hundes hat oftmals einen selbstbelohnenden Effekt auf ihn. Wird der Hund nun ignoriert, so wird das Anspringen als toleriert wahrgenommen und das Problem ist nicht gelöst. Daher muss das Anspringen aktiv mit viel Training unterbunden werden. Oftmals suchen sich Hundehalter/innen Rat und Hilfe bei professionellen Hundeschulen.Hundeschule in deiner Nähe
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Schritt für Schritt: Begrüßung ohne Anspringen
- Vorbeugen, wo du nicht üben kannst: Wenn Besuch kommt und du keine Zeit zum Trainieren hast, nimm den Hund an die Leine oder lass ihn hinter einem Türgitter warten. Jedes Anspringen, das sich lohnt, macht das Training länger.
- Ein Ersatzverhalten aufbauen: Übe „Sitz“ oder „alle vier Pfoten am Boden“ zuerst in ruhigen Momenten und belohne großzügig. Füttere die Belohnung tief, auf Höhe der Hundenase, damit der Hund nicht nach oben schaut.
- Die Begrüßung zur Übung machen: Komm nach Hause, bleib ruhig und beachte den Hund erst, wenn er sitzt oder steht. Dann begrüßt du ihn auf seiner Höhe. Springt er, drehst du dich kurz weg und versuchst es nach ein paar Sekunden noch einmal.
- Besuch einbinden: Erkläre Gästen vorher die Regel: erst begrüßen, wenn der Hund sitzt. Am Anfang hilft eine Person, die extra zum Üben klingelt.
- Alle machen mit: Wenn eine Person in der Familie das Anspringen doch mit Streicheln belohnt, lernt der Hund, dass es sich manchmal lohnt. Das hält das Verhalten besonders hartnäckig am Leben.
Rechne bei einem erwachsenen Hund mit einigen Wochen täglicher Übung. Rückschläge sind normal, gerade wenn etwas Aufregendes passiert.
Anspringen bei Kindern und fremden Menschen
Gerade Kinder und ältere Menschen können durch einen springenden Hund stürzen. Halte deinen Hund deshalb an der Leine, solange das Training noch nicht sitzt, und lass ihn Fremde nur begrüßen, wenn er ruhig bleibt. Für Schäden, die dein Hund verursacht, haftest du als Halter nach § 833 BGB auch ohne eigenes Verschulden. Eine Hundehaftpflichtversicherung ist deshalb sinnvoll und in mehreren Bundesländern sogar vorgeschrieben.
Wann du dir Hilfe holen solltest
Springt dein Hund nicht aus Freude, sondern mit steifem Körper, Knurren, Schnappen oder geduckter Haltung, steckt oft Unsicherheit oder Abwehr dahinter. Dann hilft Ignorieren nicht, und Druck kann es verschlimmern. Lass dich in einer Hundeschule beraten, am besten im Einzeltraining. Was das kostet, steht in unserer Auswertung Was kostet eine Hundeschule?
Häufige Fragen zum Anspringen
Warum springt mein Hund mich an?
Meist will er Kontakt aufnehmen und dein Gesicht erreichen, wie Welpen es bei ihrer Mutter tun. Hat er erlebt, dass er dafür Aufmerksamkeit bekommt, wiederholt er es. Seltener stecken Unsicherheit oder Stress dahinter.
Reicht es, das Anspringen zu ignorieren?
Allein oft nicht. Besser ist es, das Anspringen nicht zu belohnen und gleichzeitig ein anderes Verhalten wie „Sitz“ zur Begrüßung zu üben und zu belohnen. So weiß der Hund, was er stattdessen tun soll.
Sollte ich die Pfoten festhalten oder den Hund wegschieben?
Wir raten davon ab. Solche Methoden arbeiten mit Unbehagen und belasten den Hund nachweislich. Unterbrechen mit „Sitz“ und Belohnen des ruhigen Verhaltens wirkt ohne diese Nebenwirkungen.
Wie lange dauert es, einem Hund das Anspringen abzugewöhnen?
Bei Welpen oft nur wenige Wochen. Bei erwachsenen Hunden, die das lange eingeübt haben, eher einige Wochen bis Monate täglicher Übung, vor allem wenn alle im Haushalt mitmachen.
Was tun, wenn mein Hund fremde Menschen anspringt?
Bis das Training sitzt: an die Leine nehmen und Begrüßungen nur zulassen, wenn der Hund ruhig ist. Für Schäden haftest du als Halter, eine Hundehaftpflichtversicherung ist sinnvoll.
Stand: Oktober 2026. Quellen: Vieira de Castro, A. C. u. a. (2020): Does training method matter? Evidence for the negative impact of aversive-based methods on companion dog welfare. PLOS ONE 15(12); § 833 BGB. Die Abschnitte bis „Warum reicht es nicht aus …“ stammen aus unserem Ratgeber von 2022, die Einordnung und alles danach sind 2026 ergänzt.
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